Wem ist es eigentlich peinlich zuzugeben, dass er oder sie früher „Wrestling“ geguckt hat? Mir natürlich nicht. Heute guckt es wahrscheinlich keiner mehr von denen, die das Ende der 80er und Anfang der 90er gesehen haben, so wie ich. [youtube]_b1lhOMsntg[/youtube]Das ist ein bisschen so wie LEGO spielen und Lucky Luke lesen. Da dachte ich als Kind auch, ich würde das mein Leben lang lieben, aber irgendwann war das kein Thema mehr. Ich weiß nicht, ob das auch an der Entwicklung im Wrestling, das ist eine bisschen entertainiger formuliert als „Catchen“, lag. Denn wenn mir heute mal was beim Rumswitchen vor der Nase umherflimmert, finde ich das total doof und langweilig. Immer nur so farblose, muskelbepackte Typen mit nacktem Oberkörper die sich auf die Glocke hauen. Was denn früher anders war? Nun ja, zunächst einmal war früher alles besser, das weiß man ja. Und vor allem waren das ja viel geilere Typen, bzw. lebendige Comic-Figuren. Die Kämpfe fand ich nie besonders spannend, eine gut gemachte Stunt-Show halt. Aber diese Freak-Show von Leuten, die man damals in der WWF (heute WWE) kennen lernen durfte, war schon dufte. Menschen, Tiere, Sensationen, einer größer und schwerer und stärker und verrückter als der andere. Ich fand das jetzt echt lustig mal nach den u.g. Namen durch YouTube zu surfen – da werden pubertäre Erinnerungen wach. Lustige Rollen und total komplizierte Story-Lines („Ich hasse Dich, ich muss Dich vernichten.“), auch Fehden genannt. Die Guten gegen die Bösen. Am Ende gewinnen die Guten. Oder die Bösen. Damit der Sieg der Guten beim Mal darauf noch etwas wertvoller ist. Wie im wahren Leben.
Irgendwann war das halt vorbei und ich weiß nicht, warum die jetzt nicht mehr so lustig aussehen, vom Undertaker mal abgesehen. Der ist ja unsterblich. Vielleicht kann mir das mal einer erklären?
Und damit kommen wir zum Thema, unsterblich wie der Undertaker sind die Herren des Ringes nämlich beileibe nicht. Habt Ihr Euch mal gefragt, was aus all dem fleischgewordenen Testosteron geworden ist? „All dead, all dead“, wie Brian May einst sang. Tatsächlich, man staunt, wer in den letzten 10, 15 Jahren so alles ins Gras gebissen hat. Quasi alle bis auf Hulk Hogan (hier im Gespräch über Saddam Hussein, tja, da war noch richtig Politik drin früher), Bret Hart (dieser Name…), Shawn Michaels und natürlich Mr. T, aber der war ja auch mehr „Schauspieler“!
[youtube]3SB2MVhQPcM[/youtube]Fangen wir an mit dem Namensgeber dieses Artikels, denn der hat diese Woche dran glauben müssen. Den Macho Man fand ich nicht sooo super, aber anhand des Videos hier lässt sich doch sicher auch für den Laien nachvollziehen, was damals so gut war. Wir sehen eine typische Szene aus dem Alltag des Macho Man. Er heiratet seine Elizabeth (Überdosis Tabletten und Alkohol mit 42) – wie ein Macho Man nun mal heiratet. Ganz in weiß mit ner Feder am Hut. Mr. and Mrs. Macho. Und auf einmal kommen ungeladene Gäste wie Jake the Snake Roberts (trotz Alkohol und Drogen noch nicht tot) mit seiner total giftigen Giftschlange und der Undertaker (wie gesagt, immortal). Wie bei Dornröschen. Das ist doch Real Life oder zumindest große Schauspielkunst! Und erst Sid Justice sorgt für Gerechtigkeit.
Wer ist denn noch so tot? Und warum? Nun, man kann unterscheiden zwischen Tod durch Herzinfarkt und Tod durch Überdosis. Man MUSS aber auch nicht unterscheiden, denn es ist wohl nicht all zu spekulativ, wenn man diverse Herzinfarkte mit einem jahrelangen Ge- und Missbrauch von Anabolika in Verbindung setzt. Irgendwo mussten diese Muskelberge ja herkommen, da reicht kein Spinat. Also an Herzinfarkt sind, wie jetzt auch der Macho Man (59), u.a. gestorben: British Bulldog (39), Raveshing Rick Rude (41), der Big Bossman (42), Eddie Guerrero (38) und Hawk von der Legion of Doom (46) . Außerdem auch Yokozuna (34), aber das ist auch nicht so überraschend wenn man 270 Kilos mit sich rumschleppt.
[youtube]OAhPgEi6M5c[/youtube]Kokain oder andere Pülverchen wurden Bam Bam Bigelow (45, wieder: was für ein Name!), Mr. Perfect (44) und Crush (43) zum Verhängnis. Dann ist mir bei meinen Recherchen noch einer über den Weg gestolpert: Giant Gonzales war mit 2,29 m der größte Wrestler aller Zeiten. In der WWF hatte man ihm so einen lustigen Haut-Fell-Anzug angezogen, so dass er fast so doof aussah wie der alte André the Giant (natürlich auch Herzinfarkt, 46) in echt und in dünner. So wie der also (verkleidet) aussah, hätte man ihn auch schön an der Kette durch die Dörfer schleifen können und ihn als achtes Weltwunder bestaunen zu lassen. Jorge, wie er wirklich hieß, war aber nie so richtig erfolgreich im Wrestlinggeschäft und vor allem durch seine Größe viel zu unbeweglich. Vor zwei Jahren kam er wegen Nierenversagens etc. in den Rollstuhl und letztes Jahr verstarb er mit 44 Jahren an Diabetes. Irgendwie sind das alles ganz schön fürchterliche Leben, die die so hinter sich haben.
Owen Hart, Bruder von Bret Hart und ich glaube auch Schwager vom British Bulldog, starb so, wie sich das sonst so mancher Künstler auf der Bühne wünscht, allerdings nicht so früh (34). Er stürzte aus 24 Metern Höhe auf einen Ringpfosten und verstarb vor den Augen seines Publikums. Natürlich konnte sich die WWF sich auch da nicht verkneifen, das Ereignis medial ordentlich zu verwerten.
Eine weitere Wrestling-Familie, etwas weniger bekannt in Deutschland als die Nachkommen von Stu Hart, war die van Erich-Familie. Vater Jack gab im Ring den Nazi Fritz von Erich. Er hatte fünf Söhne, alles Wrestler, und nur einer (Kevin von Erich) hat ihn überlebt. Und das nicht, weil Vadder ein Methusalem-Alter erreicht hätte (68). David van Erich (26) starb an einer verschleppten Magen-Darm-Grippe (offizielle Todesursache), Kerry van Erich (33), in der WWF als “Texas Tornado” erfolgreich, machte es wie Gunter Sachs (s. ältere Artikel) und wie sein Bruder Chris van Erich (22) zwei Jahre zuvor. Mike van Erich starb an einer Medikamtenten- und Alkoholüberdosis (23).
Um die Liste zu vervollständigen: Earthquake (42) starb an Blasenkrebs. Chris Benoit (40) nahm den Strick nachdem er auch seine Frau und seinen Sohn umgelegt hatte. Man obduzierte, dass sein Gehirn durch die vielen jobbedingten Erschütterungen inzwischen so tickte wie das eines 85-jährigen Alzheimer-Patienten…
Was sollen wir daraus lernen: Gegen Wrestling ist die Rock’n’Roll Society echt ein Hort an Vitalität. Von wegen Sex, Drugs and Rock’n’Roll, wenn man das mal prozentual betrachtet stehen die Drogentoten im Wrestlinggeschäft zu denen im Musikbereich vermutlich so da, wie Verkehrstote zu den Opfern des Verkehrskaspers. Der Unterschied ist aber, dass die Rockszene diese Toten braucht um „real“ zu scheinen und der Wrestlingzirkus lieber nicht darüber spricht, warum da ständig so phänotypisch extrem fitte Menschen ins Gras beißen. Soll halt schön familienfreundlich bleiben, das Hauen auf die Glocke…
EA
P.S.: Extrem familienfreundlich, aber ein bisschen langweilig, trotzdem anempfohlen sei der Film „Nacho Libre“ mit Jack Black. Und wer Jack Black nur mit dieser immer wiederkehrenden Grimasse aus Hollywood kennt, sollte sich dringend mit seinem musikalischen Hauptwerk auseinandersetzen.
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KOMMENTARE
Bisheriger Höhepunkt der Rubrik. Aber da hätte der Herr E.A. auch ruhig einen Mehrteiler draus machen können…
WAS NOCH?
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Lesen in "Zeit vorbei "